| Wieviel Wald Braucht ein Haus?
Sie möchten also ein Holzhaus bauen - und auch mit Holz heizen? Und die armen Bäume?
Wenn das jeder täte, wäre in kurzer Zeit alles abgeholzt! Keine Waldspaziergänge mehr...
Wanderungen in Karstlandschaften... Überschwemmungen... Erdrutsche...
Diese Vision ist nicht das Ziel, das wir uns unter ökologischem bauen vorstellen. Holzhäuser sind aus Holz, Holz ist aus Bäumen,
und Bäume wachsen nach - Jahr um Jahr, Jahresring um Jahresring. Dabei werden auf jedem Hektar Waldfläche ca. sechs
Kubikmeter bzw. zwei Tonnen Holz produziert, die dem Wald relativ problemlos entnommen werden können. Eine nachhaltige
und naturnahe Forstwirtschaft, wie in Deutschland üblich, erhält dabei den Wald auch für andere Funktionen, die er erfüllt. Wald
dient der Erholung, er reinigt und reguliert Niederschlagswasser, er verhindert Bodenerosion, er bildet die Grundlage für vielfältige Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tieren.
Doch wieviel Wald braucht denn ein Haus?
Nehmen wir als Beispiel ein Reihenhaus in Holzbauweise mit 140m² für vier Personen, als »3-Liter-Haus« erstellt. Für die
Errichtung eines solchen Hauses sind etwa 16 Tonnen[t] Holz und Holzwerkstoffe nötig. Dies entspricht der Jahresproduktion
von acht Hektar[ha] (oder 100 Meter x 800 Meter) Wald aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Legt man eine Nutzungsdauer von
80 Jahren für ein Haus zu Grunde, dann können mit diesen acht Hektar Wald 320 Personen oder 80 Vier-Personen-Haushalte
mit Holzhäusern versorgt werden. Pro Person sind dann 250m² Wald nötig. Wollte jeder Haushalt in Deutschland in einem
Holzhaus leben, so bräuchte man für 80 Millionen Menschen zwei Millionen Hektar Waldfläche. Der Waldbestand beträgt
hierzulande etwa elf Millionen Hektar - einer Versorgung mit Holzhäusern steht also nichts im Wege.
Wollte nun jeder »Holzhaus-Haushalt« auch seinen Wärmeenergiebedarf mit dem Brennstoff Holz decken, sähe eine
entsprechende Abschätzung so aus: Der Wärmebedarf für die Heizung beträgt 30 Kilowattstunden pro m² im Jahr, bei 35m²
Wohnfläche pro Person also 1050 kKh pro Person/Jahr.
Der Wärmebedarf für die Bereitstellung von Warmwasser beträgt 750kWh pro Person/Jahr. Davon können zwei Drittel über solare Energiegewinnung bereitgestellt werden, also bleiben 250kWh Brennstoff-Bedarf für die Warmwasser-Bereitung. Der gesammte Energiebedarf für Heizung und Warmwasser beträgt dann 1300kWh pro Person/Jahr, das entspricht ca. 260kg Brennholz.
Bei der zuvor genannten Jahresproduktion von zwei Tonnen Holz pro Hektar Wald ist also eine Waldfläche von 1300m² pro Person nötig. Unter der Annahme, dass alle 80 Millionen Menschen in Deutschland in »3-Liter-Häusern« leben würden, bräuchte man 10,4 Millionen Hektar Wald zur Bereitstellung der Wärmeenergie - dies entspricht fast dem Waldbestand in Deutschland.
FAZIT:
Das Holzhaus des hier definierten Standards braucht für seine Erstellung etwa 1000m² und für die Beheizung 5000m², das
heisst gesammt nur etwa 6000m² (oder 100 Meter x 60 Meter) Wald. Eine Vollversorgung mit nachhaltig erzeugten Baustoffen und Brennmaterialien ist in Deutschland damit theoretisch machbar, unter der Voraussetzung weiterer Energieeffiziens beim Bauen
sogar realistisch.
Text von der Webseite http://www.Aktivhaus.net. |